Interpretationsgedicht

Altarbild in der Friedenskirche in Kemnath mit Kerzen, Kreuz und Altar
Bildrechte Schwester Christamaria Schröter (Christusbruderschaft Selbitz)
Altarbild „Ausgespannt“ von Schwester Christamaria Schröter
Ausgespannt

Schrill auseinandergerissen
die dürren Arme,
nicht mehr bei sich –
aufgebrochen, ausgebreitet.
Rechts und links
zerfließend im Nichts,
aufgehängt zwischen
Nichts und Nichts.
Entblößt, entborgen,
ausgespannt.

Einsam.
Keine Richter mehr
und keine Henker.
Einsam.
Keine Spötter mehr
und keine Gaffer.
Einsam.
Keine Jünger mehr,
nicht Johannes
und nicht einmal
Maria.
Einsam –
im Dunkel.

Der Kopf ist gesunken.
Das ist das Ende.
Dachten die Herrschenden.
Dachte die Immer-Masse.
Dachten, die ihn liebten.

Es war nicht das Ende.
Es war Gehorsam.
Er war gehorsam –
bis zum Tode
am Kreuz.

Alle dachten.
Gott aber sprach:
Du bist mein Sohn.
Heische von mir,
und ich will dir
die Heiden zum Erbe geben
und der Welt Enden
zum Eigentum.

Da ward es Licht.
Das Licht bricht auf.
Das Licht zieht herauf –
glühende Helle.
Das Licht frißt die Finsternis.

Wir blicken durch:
Das Licht siegt.

Wehe uns!
Das Licht siegt.

Doch sein Sieg
ist Heil.
Sein Sieg
bricht den Bann.
Sprengt den Ring,
wandelt ihn
zum Omega.
Nicht Ende
– Ziel!

Gott kommt
zum Ziel
mit der Welt,
mit mir –
durch den
Ausgespannten.

Ich bete an.

Schwester Christamaria Schröter (geb. 1934)
Christusbruderschaft Selbitz

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