Hoffnungsklänge Ukraine

„Reisebericht

Hoffnungsklänge 2026 – Sounds of Hope


Es ist mehr als eine Reise. Es ist ein Aufbruch.

Wir tragen Instrumente bei uns – doch das Eigentliche, was wir mitnehmen, ist unsichtbar: Hoffnung. 
Zerbrechlich vielleicht, leise vielleicht – und doch kraftvoll genug, um sie zu teilen. 

Unter dem Motto „Hoffnungsklänge – Sounds of Hope“ machen wir uns auf den Weg in die Ukraine. Was uns dort erwartet, können wir nur erahnen. Und doch gehen wir – im Vertrauen darauf, dass Musik Wege öffnen kann, wo Worte längst versagen.

Schon an der Grenze zur Ukraine wird die Spannung spürbar, die diese Reise mit sich bringt. Unsicherheit liegt in der Luft, vermischt mit leiser Vorfreude. Wird unser Transporter mit den Hilfsgütern passieren dürfen? Minuten ziehen sich, werden zu gefühlten Ewigkeiten. Dann endlich das erlösende Zeichen: Wir dürfen weiterfahren. Ein Moment des Aufatmens – wie ein erster, unscheinbarer Akkord unserer gemeinsamen Reise. 

Auch die letzte gemeinsame Probe bekommt eine neue, ungeahnte Tiefe. Jeder Ton trägt mehr Gewicht. Gemeinsam mit Gerhard suchen wir nicht einfach die richtigen Töne – wir suchen die schönsten. Unter Michaels Leitung wächst aus einzelnen Stimmen ein Klang, der mehr ist als Musik. Es ist, als würden wir uns nicht nur musikalisch vorbereiten, sondern unsere Herzen ausrichten – auf Begegnungen, die uns verändern werden.  

Und dann begegnen wir Menschen.

Im Altenheim empfängt uns eine Stille, die mehr ist als Ruhe. Sie ist durchzogen von Einsamkeit, von Erinnerungen, von Verlust. Doch mitten in dieser Schwere geschieht etwas: ein zögerndes Lächeln, das wärmer wird. Augen beginnen zu leuchten. Füße wippen im Takt. In solchen Momenten wird spürbar, was Musik vermag – sie erreicht Orte, die Worte nicht erreichen können.

Bei Veteranen und Geflüchteten stoßen wir an Grenzen. Nicht nur sprachlich, sondern auch innerlich. Das Erlebte dieser Menschen übersteigt oft jedes Vorstellungsvermögen. Es zeigt sich in ihren Blicken, in kleinen Gesten, in der Art, wie sie zuhören. Wir geben, was wir können: Hilfsgüter, Zeit, Musik. Und manchmal entsteht daraus etwas Zartes, kaum Greifbares – ein Funke Hoffnung. Vielleicht nur für einen Augenblick. Aber manchmal genügt genau das.

Die Begegnung mit der Roma Gemeinde geht uns besonders nahe. Armut zeigt sich hier unverstellt, sichtbar in vielen Details. Und doch begegnet uns eine Lebensfreude, die sich nicht unterdrücken lässt. Kinder tanzen, lachen, spielen – als gäbe es keine Grenzen. Selbst die Bahnschienen, die sich durch ihren Alltag ziehen, scheinen ihre Freude nicht aufzuhalten.

Zwischen all den intensiven Eindrücken brauchen wir auch Momente des Innehaltens. Eine alte Burg, kühl und massiv, erzählt von vergangenen Zeiten. Der dunkle Folterkeller lässt uns erschauern. Im Kriegsmuseum wird Geschichte bedrückend greifbar. Und dann öffnet sich der Blick in die Weite – ein Kontrast, der unter die Haut geht. Durch unseren Guide wird die Geschichte der Burg und des anhaltenden Krieges erlebbar.  

Nicht alles verläuft nach Plan. In Mukachevo zwingt mich eine Knieverletzung zum Pausieren. Während die anderen die Stadt erkunden, sitze ich mit Annette und Gerhard in einem Café. Ein ruhiger Moment – vielleicht gerade deshalb wertvoll. Zeit, um das Erlebte in Ruhe nachklingen zu lassen.

Im „Deutschen Haus“ in Mukachevo erleben wir eine andere Form der Verbundenheit. Gemeinsam beten wir das Vaterunser – auf Deutsch. Stimmen verbinden sich, Grenzen treten in den Hintergrund. Für einen Moment zählt nur das Gemeinsame: Glaube, Hoffnung, Menschsein.

Diese Reise fordert uns – körperlich und emotional. Es gibt auch Momente, in denen wir Grenzen akzeptieren müssen. Für mich bleibt das „House of Living God“ unerlebt. Die Müdigkeit fordert ihren Tribut. Und das ist in Ordnung.

Der Besuch im Gefängnis hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Die Mauern wirken schwer, fast erdrückend. Es ist ein Ort voller Fragen. Als wir ihn wieder verlassen, atmen wir bewusster – vielleicht auch dankbarer. Und mit großem Respekt vor den Menschen, die hier arbeiten.

Doch es gibt immer wieder Lichtblicke.

Begegnungen voller Wärme. Gespräche, die Brücken bauen. Menschen wie Father Vladislav, der uns einlädt, Schicksale erzählt und Fortschritte des vergangenen Jahres teilt.  

Im Gottesdienst der Adventisten geschieht etwas Besonderes: Ein dreijähriges Mädchen beginnt zu singen. Ihre Stimme ist klar, unbeschwert und voller Leben. Für einen Augenblick scheint die Welt stillzustehen. Gleichzeitig erleben wir, wie diese Gemeinde täglich Geflüchtete Menschen versorgt – mit Essen, Zeit und echter Zuwendung. Nächstenliebe wird hier nicht erklärt, sondern gelebt.

Ein Standkonzert mitten in der Stadt bringt unsere Musik dorthin, wo Menschen sind. Einige bleiben stehen, hören zu, verweilen einen Augenblick. Musik findet ihren Weg – direkt und ungefiltert.  

Im Caritas-Heim begegnen wir einer stillen, würdevollen Atmosphäre. Menschen mit mentalen Einschränkungen gestalten Kerzen – jede einzelne ein kleines Kunstwerk. Neben an ein kleines Café, in dem Inklusion gelebt wird.  Hier wird sichtbar: Jeder Mensch trägt etwas Wertvolles in sich.

Dann die Kathedrale. Groß, erhaben, überwältigend. Unsere Musik erfüllt den Raum, steigt auf, verbindet. Am Ende Applaus – nicht nur für das, was hörbar ist, sondern für das, was mitschwingt. Die gelebte Gemeinschaft mit  Xenia und ihren zarten 15 Jahren. Im Vergleich zu  Peter mit seinen stolzen 83 Jahren. Und ich – trotz Verletzung ein Teil dieser einzigartigen Gruppen. Ein Moment, der bleibt.

Ein weiteres Geschenk ist die Pessach-Feier mit messianischen Juden. Gemeinschaft, Freude, Leben. Bei „Hava Nagila“ wird getanzt, gelacht, gesungen. Für einen Augenblick scheint alles leicht – beinahe schwerelos. Ein gelungener Abschluss unserer Reise.  

Auch die Heimreise bringt noch einmal Spannung. Werden wir problemlos zurückkehren können? Als die Antwort kommt, ist die Erleichterung groß: Ja, wir dürfen.

Durch all das begleiten uns die Worte von Pfarrer Scholz. Gedanken, die tragen, ordnen und Halt geben, wenn Eindrücke zu groß werden.

Und dann ist da Miroslav. Übersetzer – und doch so viel mehr. Er verbindet Sprachen, Kulturen und Menschen mit einer Hingabe, die berührt. Mit jedem Tag wächst der Wunsch, dass dieser Krieg endet – damit auch er wieder einfach nur Vater, Ehemann und Mensch sein kann.

Am Ende bleibt etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt. Keine einfache Erinnerung, sondern ein Gefühl, das nachklingt.

 

„Hoffnungsklänge“ war nie nur ein Motto. 
Es war Wirklichkeit.
In jedem Blick. 
In jeder Begegnung. 
In jedem einzelnen Ton.

 

Text: Andrea Stigler, Neuhof a.d. Zenn      
 

Bilder: Alfred Schuster, Susanne Kropf

AltenheimBei den VeteranenHilfsgüterHilfsgüterRoma PCSpielplatz

 

 

2025 Hoffnungsklänge für die Ukraine, Bayerische Posaunenchormusik bringt in Ushgorod Freude und Ermutigung auch im dritten Kriegsjahr

Immenreuth/Ushgorod. Unter dem Leitmotiv „Hoffnungsklänge“ brachten in der Woche nach Ostern 21 Bläserinnen und Bläser von 17 Posaunenchören aus ganz Bayern unter Leitung von Michael Kurzmann zum dritten Mal musikalische Grüße, Segenswünsche und Spenden in den äußersten Westen der Ukraine. Mit dieser Initiative von Pfarrer i.R. Hans Scholz von der GGE (Geistliche Gemeinde Erneuerung) und des Verbands evangelischer Posaunenchöre in Bayern wurde den Menschen in der Ukraine gezeigt: Auch im dritten Kriegsjahr sind sie in Deutschland nicht vergessen, wird an sie gedacht, wird für sie gebetet.

Es gibt viele Völker und Sprachen in Transkarpatien, einige noch heute deutschsprachige Dörfer wurden von Siedlern u.a. aus Nürnberg und Bamberg gegründet. Auch die kirchliche Vielfalt ist verwirrend groß. In der Stadt Ushgorod versuchen die christlichen Gemeinden die ökumenische Zusammenarbeit auszubauen. Dazu trägt die Initiative Hoffnungsklänge Ukraine mit Unterstützung der Posaunenchöre bei. Die evangelischen Posaunenchöre pflegen ja ihrerseits seit langem die ökumenische Gemeinschaft und Gottesdienstkultur.

Miroslav Bertan, Ansprechpartner und Organisator der Initiative Hoffnungsklänge vor Ort, ermöglichte Begegnungen u.a. bei Anglikanern, bei der unierten, das heißt ruthenisch griechisch-katholischen Kirche, bei einer Roma-Gemeinde und einer messianisch-jüdischen Gemeinde, in einem Altenheim. Auftritte gab es auch in der Öffentlichkeit, etwa vor dem historisch bedeutsamen Rákóczi-Schönborn-Palast in Mukacevo oder im Stadt- und Vergnügungspark von Ushgorod. Die mitgebrachten Spenden fließen in die Versorgung von Binnenflüchtlingen mit Lebensnotwendigem.

„Die Klänge erreichen viele Herzen, manchmal können sie etwas lösen, was sich verhärtet hat“, das wurde mehrmals dankbar festgestellt. Tausend Kilometer ist die Bläsergruppe gereist, um musikalische Grüße und Segenswünsche aus Deutschland zu überbringen. Die Menschen in Ushgorod wissen das sehr zu schätzen.

In der von Jesuiten errichteten barocken Kreuzerhöhungskathedrale dirigiert der griechisch-katholische Pater Vladislav souverän 200 Kinder aus seiner kirchlichen Schule. Ihr begeisterter Gesang übertönt beim „Gebet für die Ukraine“ die Bläser. Beim Jahrestreffen der Eparchie Transkarpatien im Priesterseminar von Ushgorod lassen sich rund 200 Priester und Bischöfe der ruthenisch griechisch-katholischen Kirche von den Posaunenchorklängen in Bewegung versetzen.

Gerade diese Einladung seitens der griechisch-katholischen Kirche, die Rom untersteht, dabei den orthodoxen Ritus praktiziert, ist für Pfarrer Scholz ein großer Schritt in Richtung Zusammenarbeit. Auch hier bedanken sich die Verantwortlichen vor allem für den mit der Musik geschenkten Moment der gemeinsamen Freude – und für das Zeichen des Beistands aus Deutschland. „Deutschland weiß, was Krieg ist, deswegen steht uns Deutschland bei“, sagt der örtliche Bischof Teodor Andrij Mazapula. Es schwingt vor allem die Hoffnung mit, dass dies so bleiben möge.

Persönliche Berichte von Militärseelsorgern, Erinnerungsstätten mit den Porträts gefallener Soldaten mitten in der Fußgängerzone, dumpfe Gongschläge beim Gedenken während der Eröffnung einer Ausbildungsmesse, Trauerfeier für einen Gefallenen mit militärischem Geleit: Die bayerischen Bläserinnen und Bläser bringen die Erkenntnis mit nach Haus, dass der Krieg die Menschen auch außerhalb der Kampfzonen in der Ukraine trifft. Und dass die Menschen in der Ukraine noch lange Zeit Unterstützung benötigen werden, finanzielle und mentale.

Text: Beatrix Körner

Bilder: Alfred Schuster, Susanne Kropf

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Hoffnungsklänge für die Ukraine 2024

In der Karwoche haben sich vier Bläser: innen aus unserem Posaunenchor mit weiteren 12 Chormitgliedern aus München, Nürnberg, Großhabersdorf, Himmelkron und Bamberg und Hans Scholz, Pfr. i. R. aus dem Badischen auf den Weg in die Ukraine aufgemacht. Wir waren in der südwestlichen Stadt Uschgorod in Karpatien. Dort leben ca. 100.000 Einwohner und genauso viele Binnenflüchtlinge sind dort untergebracht. Das ist ganz enorm was dort Menschen und Kirchengemeinden für ihre Landsleute leisten. Wir durften an verschiedenen Plätzen und Einrichtungen musizieren und Pfr. Scholz übernahm die geistlichen Impulse. Wir durften Segen empfangen und Segen spenden. Unsere Gemeinschaft war geprägt vom Heiligen Geist, der uns beistand und mit uns war. Und nur so konnten unsere Hoffnungsklänge bei den Menschen ankommen. Egal, ob wir vor der Alten Synagoge, der griechisch-katholischen Kathedrale, der Adventistengemeinde, der Musikschule , dem Altenwohnheim oder vor Flüchtlingsunterkünften

auftreten durften. Es gab nicht nur für die Menschen vor Ort, sondern auch für uns viele bewegende Begegnungen. So hat uns der katholische Priester Vladislav nicht nur mit offenen Armen, sondern auch mit einem offenen Herzen empfangen. Er hat seine Hand zu einem weiteren, engen Miteinander ausgestreckt. Unvergesslich bleibt auch die Begegnung mit zwei verwundeten Soldaten, die vor einer Flüchtlingsunterkunft zu uns stießen und auf offener Straße gesegnet werden wollten.

Dank vieler Unterstützer: innen konnten wir auch so manche Spende überreichen.

Text: Alfred Schuster

Bilder: Susi Kropf

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